Unternehmensnachfolge: Familie, Private Equity oder Börse | Glossar

Hintergrundinformationen

Unternehmensnachfolge: Familie, Private Equity oder Börse | Glossar

Unternehmensnachfolge bezeichnet die geplante Übertragung eines Unternehmens vom bisherigen Inhaber oder der bisherigen Inhaberin auf einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Dabei scheidet der bisherige Unternehmer aus dem Unternehmen aus und eine neue Person übernimmt die Verantwortung. Dieser Prozess ist für den deutschen Mittelstand von enormer Bedeutung, denn ein gelungener Generationswechsel sichert den Erhalt von Arbeitsplätzen und Know-how. Aktuell stehen viele Inhaber mittelständischer Firmen vor einem Generationswechsel: In den kommenden Jahren planen in Deutschland Hunderttausende von Eigentümern ihren Rückzug aus dem Geschäftsleben. So sind bereits heute über 50 % der Inhaber von KMU (kleinen und mittleren Unternehmen) 55 Jahre oder älter, was zu einem hohen Altersdurchschnitt in der Unternehmerschaft führt. Viele dieser meist langjährigen Firmenchefs haben ihr Lebenswerk in die Firma eingebracht und wünschen sich, dass dieses erfolgreich weitergeführt wird. Allerdings gestaltet sich die Übergabe in der Praxis oft schwierig. KfW-Analysen zufolge werden bis 2027 über 600.000 mittelständische Unternehmen eine Regelung für die Unternehmensnachfolge anstreben. Gleichzeitig zeigt sich ein Mangel an Übernahmekandidaten: Es stehen deutlich weniger Übernahmeinteressenten zur Verfügung als abgabewillige Firmen. Dieses Missverhältnis erhöht das Risiko, dass viele Firmen mangels Nachfolgelösung geschlossen werden müssen. Tatsächlich erwägt etwa ein Viertel der Senior-Chefs und -Chefinnen, den Betrieb endgültig zu schließen, wenn kein Übernehmer gefunden wird. Ein Scheitern der Unternehmensnachfolge bedeutet nicht nur das Ende einer Firma, sondern auch den Verlust von Arbeitsplätzen und das Abbrechen gewachsener Liefer- und Kundenbeziehungen. Entsprechend warnen Fachleute, dass die Nachfolgefrage frühzeitig angegangen werden muss, um solche negativen Folgen zu vermeiden.

Interne und externe Nachfolgelösungen für Unternehmen

Grundsätzlich lässt sich zwischen familieninterner und externer Unternehmensnachfolge unterscheiden. Bei einer Nachfolge innerhalb der Familie wird die Führung des Unternehmens an ein Mitglied der Unternehmerfamilie übertragen. Der klassische Fall ist, dass der Sohn oder die Tochter des bisherigen Inhabers die Geschäftsführung übernimmt. In vielen Familienunternehmen ist diese Lösung die bevorzugte Variante, da die nächste Generation bereits früh im Unternehmen mitarbeitet. Steht jedoch kein geeignetes Familienmitglied zur Verfügung oder lehnen die Kinder eine Übernahme ab, muss eine andere Lösung gefunden werden. Eine Möglichkeit ist eine interne Nachfolge durch qualifizierte Mitarbeiter des Unternehmens. In manchen Fällen übernimmt eine langjährige Führungskraft oder ein Mitglied der bisherigen Führungsriege die Firma als Unternehmensnachfolger (sogenannter Management-Buy-out). Gelingt auch dies nicht, bleibt nur der Verkauf an Externe. Bei einer externen Nachfolge wird die Übernahme des Unternehmens durch eine Person oder Organisation von außerhalb des Unternehmens vollzogen – in der Regel also durch Verkauf an einen externen Käufer (etwa einen Konkurrenten, einen Investor oder einen branchenfremden Existenzgründer). Eine solche Unternehmensübernahme erfordert meistens eine intensive Suche nach geeigneten Kandidaten auf dem Markt. Die Übergabe innerhalb der Familie hat den Vorteil, dass Wissen, Firmenwerte und Kundenbeziehungen erhalten bleiben, doch auch hier können Konflikte auftreten. Eine Übertragung an unternehmensfremde Personen bringt zwar frischen Wind und neues Kapital, ist aber meist mit aufwendigeren Verhandlungen (zum Beispiel über den Kaufpreis) verbunden. Außerdem muss der neue Eigentümer das Vertrauen der Mitarbeitenden, Kunden und Gesellschafter oft erst gewinnen. Letztlich hängt die passende Wahl von der individuellen Unternehmenssituation ab – beide Wege können zum Erfolg führen, erfordern aber jeweils eine sorgfältige Planung.

Planung des Nachfolgeprozesses für Unternehmer: Nachfolge oder Übernahme

Eine strukturierte Nachfolgeplanung ist entscheidend, um die Unternehmensübergabe erfolgreich zu gestalten. Fachleute raten, möglichst frühzeitig – oft mehrere Jahre vor dem geplanten Ausscheiden des Inhabers – mit den Vorbereitungen zu beginnen. Der gesamte Prozess kann sich über mehrere Jahre erstrecken und sollte systematisch angegangen werden. Typischerweise lassen sich die Phasen der Unternehmensnachfolge in mehrere Schritte gliedern: Zunächst erfolgt eine umfassende Bestandsaufnahme der aktuellen Situation des Unternehmens und die Definition der Ziele. Danach schließt sich die Suche nach einem geeigneten Übernehmer oder die Auswahl eines internen Übernehmers an. Es folgt die Verhandlungs- und Vertragsphase, in der wichtige Punkte wie der Kaufpreis, die Übergabemodalitäten, steuerliche Fragen und die Finanzierung geregelt werden (einschließlich der Ermittlung des Finanzbedarfs für die Übernahme). Anschließend wird der Übernehmer bzw. die Übernehmerin schrittweise in die Unternehmensführung eingearbeitet. Schließlich schließt die Nachfolge mit der Vollzugs- und Stabilisierungsphase ab, wenn der Übergeber sich vollständig zurückzieht und die Firma unter neuer Führung weiterläuft. Für viel Firmen ist es nicht einfach einen geeigneten Nachfolger zu finden außer eine familieninterne Lösung - meist Sohn oder Tochter.

Parallel zu diesen Phasen sollte die Übergabefähigkeit des Unternehmens optimiert werden. Dazu gehört, Schlüsselwissen zu dokumentieren, Abhängigkeiten von der Person des Inhabers abzubauen und eine starke zweite Führungsebene aufzubauen. Insbesondere bei einer externen Unternehmensnachfolge ist es wichtig, ausreichend Zeit für die Suche nach geeigneten Käuferinnen und Käufern sowie für die Due-Diligence-Prüfung einzuplanen. Auch weiche Faktoren spielen eine Rolle: Die persönliche Vorbereitung des bisherigen Inhabers auf das Loslassen seines Lebenswerkes und eine offene Kommunikation mit Mitarbeitenden und Schlüsselpersonen sind zentral für einen erfolgreichen Übergang. Alle beteiligten Stakeholdern – von den Beschäftigten über Kunden und Lieferanten bis zu Kapitalgebern – sollten in angemessener Weise informiert und eingebunden werden, um Vertrauen zu schaffen. Eine gut durchdachte Planung und Vorgehensweise stellt sicher, dass die Unternehmensnachfolge reibungslos abläuft und der Fortbestand der Firma langfristig gesichert ist.

Unterstützung und Rahmenbedingungen der Unternehmensnachfolge im Generationswechsel

Viele mittelständischen Unternehmen haben Schwierigkeiten, einen Übernehmer zu finden. Um diesen Engpass an Nachfolgeinteressenten zu mildern, gibt es in Deutschland ein breites Spektrum an Unterstützungsangeboten von Seiten der Kammern, Banken und der Politik. Die regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK) und Handwerkskammern beraten sowohl abgebende Unternehmer als auch Übernahmeinteressenten in allen Phasen der Nachfolge. In Berlin beispielsweise bietet die IHK Berlin regelmäßig Informationsveranstaltungen, Sprechtage und Beratungen zum Thema Unternehmensnachfolge an. Auch die Handwerkskammern unterstützen Firmen beim Übergang an die nächste Generation, etwa durch spezielle Nachfolgeberater.

Auf Bundesebene fördert das Bundeswirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Online-Unternehmensbörse „nexxt-change“. Über diese Plattform werden übergabewillige Firmeninhaber und potentielle Übernehmer zusammengebracht – anonym, sicher und kostenlos. Dadurch soll die Suche nach externen Übernehmern erleichtert werden. Daneben stellt die KfW über verschiedene Förderprogramme finanzielle Unterstützung bereit, zum Beispiel in Form zinsgünstiger Kredite für Firmenübernahmen. Die öffentliche Hand und die Wirtschaftskammern werben zudem dafür, Firmenübernahmen verstärkt als Chance zur Selbstständigkeit zu begreifen. Eine Neugründung ist nicht der einzige Weg – die Übernahme eines etablierten Unternehmens bietet oft attraktive Vorteile wie einen bestehenden Kundenstamm und eingespielte Abläufe. Entsprechend lautet eine politische Zielsetzung, das Unternehmertum durch erfolgreiche Unternehmensnachfolge zu stärken und das „stille Sterben“ von gesunden Firmen mangels Übernehmer zu verhindern.

Phasen der Unternehmensnachfolge

Pro Jahr stehen in Deutschland mehrere zehntausend Unternehmensnachfolgen an – ein zentraler Vorgang für den Erhalt der Wirtschaftsstruktur. Eine erfolgreiche Übergabe entscheidet oft über das Weiterbestehen von Unternehmen und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Damit eine Unternehmensnachfolge erfolgreich gelingt, sind sowohl die menschlichen als auch die fachlichen Aspekte zu beachten. Die bisherigen Inhaber müssen bereit sein, Verantwortung abzugeben, und die Übernehmenden benötigen das nötige Rüstzeug, um die Firma in die Zukunft zu führen. Zugleich gilt es, rechtzeitige Planung, transparente Kommunikation und die Einbindung aller wichtigen Interessengruppen professionell zu managen. Insgesamt bleibt die Unternehmensnachfolge eine anspruchsvolle Aufgabe – doch mit systematischer Vorbereitung und geeigneter Unterstützung lässt sich der Generationenwechsel meistern, sodass die Firmen auch in der nächsten Generation weiter erfolgreich am Markt bestehen – und damit ihr Fortbestand langfristig sichergestellt ist.

Literatur und Quellen

Fels, Markus; Suprinovič, Olga; Schlömer-Laufen, Nadine; Kay, Rosemarie (2021): Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2022 bis 2026. Daten und Fakten Nr. 27, Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn.

KfW Research (2024): Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2024 – Jedes vierte Unternehmen denkt über Geschäftsaufgabe nach – Alter ist Hauptgrund. KfW Bankengruppe, Frankfurt am Main.

Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) (2023): DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2023. DIHK, Berlin.

Koerber, Nils (2020): Unternehmensnachfolge – Die Kunst des Loslassens. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.

von Bassewitz, Ulrich (2017): Erfolgreiche Unternehmensnachfolge: Den Übergang persönlich und unternehmerisch meistern. Springer Gabler, Wiesbaden.

Unternehmensnachfolge als Organisationsentwicklung

Ein Generationenwechsel verändert mehr als den Namen auf dem Türschild — er verschiebt das Gravitationsfeld der gesamten Organisation. Loyalitäten, Entscheidungswege, Kultur: alles steht auf dem Prüfstand. Wir begleiten Unternehmen durch diese kritische Übergangsphase — mit differenzierter Diagnose, maßgeschneiderten Übergangsstrategien und der Begleitung aller Schlüsselpersonen.

→ Nachfolge & Wachstum — Unser Angebot für Generationenwechsel und Wachstumsphasen

→ Strategische Organisationsentwicklung — Unser Ansatz und unsere Leistungen

→ Unverbindliches Erstgespräch vereinbaren